Willi Jasper

Für Willi Jasper, Jahrgang 1938, ist der Fußball ein Lebenselixier. Der Werner ist einer der ältesten Aktiven – Rad fahren als weitere Fitnessquelle.

„Ich habe mich schon seit zehn, 15 Jahren vom Fußball verabschiedet, aber er lässt mich noch nicht los“, sagt Willi Jasper, Jahrgang 1938. Das macht den 72-Jährigen vom Werner SC zu einem der ältesten aktiven Fußballer – und das nicht nur in Westfalen.

„Ich muss jedes Mal am Morgen nach einem Spiel den Pflegedienst kommen lassen. Man muss ja irgendwie aus dem Bett kommen“, sagt Jasper – grinst, und meint das natürlich nicht so. Der Mann ist drahtig, fit, wirft sich noch in Tornähe in Flankenbälle – das in gut 30 Spielen pro Saison und mit viel Ehrgeiz. „Ich kann immer noch nicht verlieren, aber ich kann heute besser damit umgehen“, sagt er, und: „Fußball bestimmt mein Leben.“ Dies nicht zuletzt, weil auch sein Sohn Jörg zu den größten Talenten des Werner Fußballs gehörte. Deshalb zählt für Willi Jasper zu den schönsten Erfolgen, „dass ich 2006 mit meinem Sohn zusammen Kreismeister der Ü40 geworden bin.“

Weihnachten 1948, kurz nach der Währungsreform, bekommt Jung-Willi seine ersten Fußballschuhe. 30 D-Mark haben die gekostet. „Ein Vermögen“, sagt Jasper, „wo meine Mama das Geld abgezwackt hat, habe ich nie erfahren. Mein Vater aber auch nicht...“

Offenbar hat die Mutter das Talent erkannt. Willi geht mit zehn Jahren zur Spielvereinigung, stürmt sofort in die erste Schülermannschaft, überspringt später auch die B- und A2-Jugend und kommt in die „A1“ von Bernhard Linker. Aus dem Halbrechten und Rechtsaußen wird durch hartes Extratraining ein echter „Linker“. „Ich habe Runde um Runde im Stadion gedreht und immer vor die Bande gepöhlt – immer mit links“, erinnert sich Jasper.

Aus dieser Zeit stammen schöne Erinnerungen: an das Spiel in Münster im Preußen-Stadion um die Westfalenmeisterschaft, oder an die Partie in Werne mit der Kreisauswahl vor 4 000 Zuschauern gegen Wiedenbrück. Undenkbar heute.

Mit 18 kommt er auf Anhieb in die „Erste“, überzeugt in der Bezirksliga mit 19 Toren. „Ich glaube, mit 18 Jahren bin ich ein Guter gewesen. Ich wäre wahrscheinlich auch gar nicht hier geblieben, wenn das nicht passiert wäre.“ Das, das ist das vorläufige Karriereende – vermutlich verursacht durch eine Verletzung gegen Herbern.

Erst als es ihm richtig dreckig geht, stellt sich bei einer Operation die Diagnose: infektiöse Tuberkulose aufgrund eines nicht entdeckten Lungenrisses. Teile des linken Lungenflügels müssen entfernt werden. Vor und nach der OP verbringt Willi Jasper Jahre in der „Lungenbaracke" des alten Werner Krankenhauses oder in Sanatorien der Knappschaft in Meschede oder Lugano. Das Tessin wird für fast eineinhalb Jahre die zweite Heimat.

Fußball spielen, damit sei es vorbei, sagen die Ärzte. Nur Jupp Sandhowe gibt grünes Licht. Aber mehr als 20 Jahre schon hat Willi Jasper zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vor den Ball getreten. Mit 45 gibt er schließlich sein Comeback in der legendären Vierten des SSV Werne, die Truppe um „Alligator“-Gastwirt Norbert Schäper. Ein Jahr später wechselt Willi Jasper zu den Alten Herren.

Nicht nur dort ist er aktiv. Er holt sich seine enorme Fitness auf dem Fahrrad. Gut 200 000 Kilometer habe er heruntergespult, rechnet Jasper vor. Früher auf dem Weg zur Schicht auf Heinrich Robert, dann aus Spaß mit einem Rennrad.

Mallorca erkunden mit einem Freund, das gehört dazu: „Noch eine Fahrt, dann haben wir die ganze Insel rund.“ Nur hinauf zur Sommerresidenz von König Juan Carlos hat's nicht gereicht, denn „ich bin kein guter Bergfahrer.“

Nächstes Reiseziel aber ist Tunesien – Hotelurlaub mit Frau Ingrid, die seit 47 Jahren die Fußball-Leidenschaft von Mann und Sohn mitträgt. Die Urlaubsunterkunft hat übrigens einen hauseigenen Kunstrasenplatz. „Hab' ich gut ausgesucht, oder?“, grinst Jasper. Aber er wird lieber an den Strand gehen. Natürlich mit Ball. „Auf die Jungs da freue ich mich schon“, sagt er, „ich muss nur zwei-, dreimal die Kugel hochhalten, dann winken die schon zu mir rüber...“