Bernhardt Linker

Im hohen Alter verlieren viele Menschen das Interesse am Vereinssport. Fußball wird dann höchstens noch im Fernsehen geguckt. Bei Bernhard Linker ist das vollkommen anders. Der 89-Jährige ist heute noch bei zahlreichen Spielen vom Werner Sportclub (WSC) und drückt den Spielern am Feldrand die Daumen. Manchmal hat er dabei das Bedürfnis selbst auf den Platz zu laufen, um der gegnerischen Mannschaft mit einem gezielten Treffer den Sieg streitig zu machen.

Aber Linkers aktive Zeit ist natürlich schon lange vorbei. Bereits 1950 hat der – am 12. Juni 1917 im Herzen von Werne geborene – Fußballnarr seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Davor hat er aber einige erfolgreiche Saisons in der Spielvereinigung Werne erlebt. Wie die meisten Fußballer, spielte Linker als kleiner Junge mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Er wohnte direkt am Roggenmarkt und traf sich mit den anderen Jungs an der Bleiche, an der damals die Wäsche gewaschen wurde. Hier war der gemeinsame Bolzplatz und hier gingen alle ihrem Hobby nach. Aber auch einfacher Straßenfußball stand damals hoch im Kurs. „Da haben sich manchmal die Anwohner aufgeregt. Schließlich bestand die Gefahr, dass etwas kaputt geht“, erzählt Bernhard Linker und überlegt wie er dann zum ersten Verein kam: „In meiner Gegend wohnten viele Kameraden, die schon professionell spielten. Die hatten im Verein eine sehr gute Mannschaft und da wollte ich auch hinkommen.“

Also ging Linker am 1. April 1931 in den VFK Werne und spielte hier anfangs in der Schülermannschaft. Ende Juni 1931 beendete er die Volksschule und machte sich auf die Suche nach einem Beruf. Wie viele andere Männer in der damaligen Zeit entschied sich Linker als Bergmann zu arbeiten und fing als Lehrling in der Zeche Werne an. Fußballspielen blieb in dieser Zeit seine große Leidenschaft. „Die Kameradschaft innerhalb der Mannschaften war großartig und wir hatten einige wirklich tolle Spiele“, erzählt Bernhard Linker. Zwischen 1936 und 1937 wurde aus dem VFK Werne die Spielvereinigung Werne. Diese Zeit erlebte Linker noch als Stammspieler.

Aber bereits im Jahre 1938 musste er für ein halbes Jahr in den Arbeitsdienst und konnte in dieser Zeit nicht mehr wirklich im Verein spielen. Auch nach dieser negativen Erfahrung musste Linker auf die Spielvereinigung verzichten. Für ihn begann die Zeit beim Militär – und er ging nach Ostpreußen. Beim Militär wurden die Pausen immer für kleine Fußballspielchen genutzt, die Linker immer viel Spaß gemacht haben: „Doch irgendwie war das nicht mit dem großen Teamgeist in unserer Vereinsmannschaft vergleichbar.“ Als der zweite Weltkrieg ausbrach musste Linker aber auch auf die kleinen Spiele verzichten. Er wurde für den Feldzug in Polen eingeteilt und direkt an die Front geschickt. Als sich hier der Sieg abzeichnete, musste er wieder in den Westen, wo er zwischenzeitlich im Arbeitsurlaub war. Nach einigen Gefechten an der Westfront wurde er nach Russland geschickt. Und hier hatte er regelrecht Glück im Unglück. Bereits am ersten Tag wurde er verwundet und am 16. Oktober 1941 aus dem Armeedienst entlassen.

„Kaum war ich zurück auf dem Pütt, ging es mit dem Sport wieder richtig rund. Trotz des Krieges waren immer genügend Mitspieler da“. Auch der Vereinssport ging schnell wieder los. 1947/1948 spielte Bernhard Linker für die „Alten Herren“ und hatte hier noch einige beachtliche Erfolge.
Als er 1950 seine Fußballschuhe an den Nagel hing, übernahm er die Leitung der Jugendabteilung. Bis 1977 betreute er Jugendmannschaften und wurde danach zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt, der bereits einige Jahre zuvor zum SSV-Werne fusionierte. „Wir hatten hervorragende Jugendmannschaften und wirklich gute Spieler. Einmal haben wir sogar um die Westfalenmeisterschaft gespielt“, erinnert sich Linker, der in diesem Jahr sein 75-jähriges Vereinsjubiläum feiert. 75 wunderschöne Jahre, die er niemals missen möchte.
 
„Der Fußball war immer ein wichtiger Teil meines Lebens“, sagt Linker, der sich besonders darüber freut, wenn er alte Kameraden trifft, die mit ihm die Zeit im Verein erlebt haben. Kameraden wie Alfons Hegemann, der – obwohl er viel jünger als Linker ist – noch mit ihm gemeinsam auf dem Platz stand.
 

Alfons Hegemann

Alfons Hegemann

Hegemann wurde am 14. Dezember 1929 in Lenklar geboren und ging dort von 1936 bis 1944/1945 in die örtliche Dorfschule. Und wie es sich für ordentliche Rabauken gehört, wurde der Schulhof immer wieder zum Fußballplatz umfunktioniert. In der Schülergemeinschaft gab es dann regelrechte Wettkämpfe, was allen Beteiligten großen Spaß machte. „Wenn wir mal nicht auf dem Schulhof gekickt haben, dann waren wir auf den umliegenden Wiesen. Da konnte wenigstens keine Scheibe zu Bruch gehen“, scherzt Hegemann und schwelgt in Erinnerungen.

Kurz nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, entschied er sich in die Spielvereinigung Werne zu gehen. „Ich muss so ungefähr 14 Jahre alt gewesen sein“, rechnet Hegemann, „am 1. Januar 1945 habe ich mein erstes Spiel für den Verein gemacht.“ Während seiner Ausbildung zum Elektroinstallateur spielte er in der Jugendabteilung. Und das durchaus mit einigen nennenswerten Erfolgen. „Mir ist vor allem der Kampf um die Westfalenmeisterschaft 1947 in Erinnerung geblieben. Wir mussten damals in Borken gegen Gladbeck spielen“, berichtet Hegemann, der noch einmal unterstrich wie hart die Zeit nach dem Krieg gewesen sei. „Man war damals doch froh, dass man überhaupt Fußball spielen konnte oder durfte. Zum Teil ging es dabei sogar um Lebensmittel.“ Denn im Verein wurden viele Reisen unternommen oder einfach nur gegrillt und gefeiert.

Am 1. September 1947 wechselte Hegemann zu den Senioren, wo er bis 1960 durchaus erfolgreichen Fußball spielte. Seine letzten aktiven Jahre verbrachte er dann bis 1976/1977 bei den Alten Herren. Mittlerweile natürlich beim SSV-Werne, wo er für sein vielseitiges Engagement sogar zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Auch wenn Hegemann seine Kontakte zu den Freunden im Sportverein noch heute pflegt, ist er doch ein wenig enttäuscht. Fußball habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. „Das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde früher viel mehr gepflegt. Irgendwie war der Teamgeist stärker und es wurde auch mehr zusammen unternommen“, schildert Hegemann, „in der heutigen Zeit verschwinden doch alle sofort, wenn das Spiel vorbei ist.“

Vielleicht – so denkt der 77-Jährige – liegt das an den technischen Möglichkeiten, die es früher noch nicht gab. „Wir hatten keinen Fernseher und auch keinen Computer, wir haben uns halt mit Sport die Zeit vertrieben. Dadurch habe ich unheimlich viele Erinnerungen, die mir keiner mehr wegnehmen kann“, schwärmt Alfons Hegemann.
Eine Erinnerung hat aber indirekt auch etwas mit dem Fernseher zu tun. Das „Wunder von Bern“ im Jahr 1954 verfolgte Hegemann in der Kneipe Schulz. Die war an diesem Tag gerammelt voll, weil es einen Fernseher gab, auf dem das Spiel gezeigt wurde. Die erste Weltmeisterschaft der deutschen Mannschaft hat Hegemann und die anderen Zuschauer tief beeindruckt. Wie jeder große Sieg in einem wichtigen Spiel. Vor allem wenn dies in einem besonderen Stadtteil von Werne passierte. „Es gab damals eine regelrechte Rivalität zwischen den Mannschaften. Vor allem mit den Spielern aus dem Evenkamp“, erzählt Hegemann und lacht. Heute sieht er das nicht mehr so eng. Schließlich sollte Fußball vor allem eines: Spaß machen. Und den hat Hegemann mit Fußball bis heute.