WSC räumt das Stadtstadion
Geschrieben von: Ruhrnachrichten, Heinz Overmann Mittwoch, den 09. November 2011 um 14:26 Uhr
Wenn in wenigen Tagen das Stadtstadion dem Erdboden gleich gemacht wird, verliert die Lippestadt ein wichtiges Stück ihrer Geschichte. Der mit Abstand größte Sportplatz in Werne ist eng mit den Ereignissen der letzten 76 Jahre in Werne verbunden.
Das Stadion in der heutigen Form wurde am 2. Juni 1935 eingeweiht. Dieses Datum lässt sich aus den vom TV Werne veröffentlichen Protokollen herleiten. „Am 2. Juni (1935, Anm. d. Red.) findet das Ringturnfest in Werne statt. Es soll mit der Einweihung des neuen städtischen Stadions verbunden werden“, heißt es dort – der TVW erwartete rund 1500 Zuschauer.
Dieses neue Stadion ersetzte ein eher provisorisches Spielfeld, das der 1925 von Zechenbeamten gegründete Verein für Körperpflege (VfK) auf einem Acker zwischen Kamener- und Ringstraße (heute Freiherr-vom-Stein-Straße) in Eigenhilfe hergerichtet hatte. Dieser Sportplatz hatte mit einem Stadion wenig zu tun. „Die Zuschauer standen meist an der Seite zur Kamener Straße“, erinnert sich der 94-jährige Bernhard Linker. Dass dieser eher provisorische Sportplatz zu einem vollwertigen Stadion mit Laufbahnen und Zuschauerrängen ausgebaut wurde, ist mit der politischen Entwicklung verknüpft. Denn ab 1933 hatten die Nationalsozialisten Arbeitsbeschaffungsprogramme aufgelegt.
Herausragende Sportanlage
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Das Bild von 1937 zeigt den Adolf Hitler-Park mit Warmquellen Solefreibad, den Hagen mit Ehrenmal, Tennisplätze, Stadtsee und dahinter das Stadion. (Foto: Archiv Evelt)
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In Werne begannen die Arbeiten zum neuen Adolf-Hitler-Park, der das neue Warmquellen-Solebad, den Hagen-Platz mit Ehrenmal, den Stadtsee und das Stadion umfasste. Damit hatten die Werner Fußballer eine für damalige Zeiten herausragende Sportanlage.
Interessant auch die verschiedenen Bezeichnungen. Bis zum Ende der Nazi-Zeit hieß das Stadion offiziell „Kampfbahn im Adolf-Hitler-Park“, nach 1945 war es das Stadtstadion, in den letzten Jahren setzte sich immer mehr die falsche Bezeichnung „Freiherr-vom-Stein-Stadion“ durch.
Große Zeit des Fußballsports
Nach Kriegsende setzte in Werne die große Zeit des Fußballsports ein. Die Spielvereinigung Werne stieg 1948 in die Westfalenliga auf, die Heimspiele gegen namhafte Gegner wie Arminia Bielefeld verfolgten mehrere tausend Zuschauer. Beim Nachbarduell gegen TuRa Bergkamen füllten 7000 Besucher die Ränge des Stadions. Bis in die 80er Jahre – der SSV Werne spielte in der Landesliga – war das Zuschauer-Interesse noch groß, ehe der Niedergang des Werner Fußballs einsetzte. Heute ist die Situation besonders bitter. Im Jahr des Abrisses ist der Werner SC mit dem Aufstieg in die Bezirksliga sportlich wieder auferstanden.
Bau des neuen Freibads
Das Ende des Stadions ist eng mit dem Schicksal des benachbarten Hagen-Platzes verbunden. Der war 1917 der erste Fußballplatz in Werne und galt immer als Neben- und Trainingsplatz zum Stadtstadion. Mit dem Bau des neuen Freibades im Jahr 1988 verlor der Hagen seine Funktion als Sportplatz und wird seitdem nur noch als Parkplatz benutzt.
Damals ließ sich der durch Vorstandskrisen gebeutelte SSV Werne als Ersatz mit einem Hartplatz im Sportzentrum Dahl abspeisen – aus heutiger Sicht ein schwerer Fehler, mit dem auch das Ende des Stadtstadions besiegelt war.


